Ursachen und Folgen
Bei
der
Lactoseintoleranz liegt eine Unverträglichkeit gegenüber dem
in der Milch enthaltenen Zucker Lactose vor. Dies beruht auf einen
Mangel oder dem Fehlen des Milchzucker spaltenden Enzyms Lactase. Die
Lactase zählt zu der Gruppe der Disaccharidasen. Man spricht daher
auch von einem Disaccharidase-Mangel. In Folge dieses Enzymmangels kann
der
Milchzucker nur unvollständig bzw. gar nicht gespalten werden und
gelangt in tiefere Darmabschnitte, in denen er dann durch Bakterien
verstoffwechselt wird. Dies führt zu Darmproblemen wie
Bauchschmerzen, Darmkrämpfe, Völlegefühl, Blähungen, einem durch
Gase
vorgewölbten Bauch und Übelkeit oder Diarrhöen
(Durchfall).
Es ist wichtig die Ursache der Probleme von einem Arzt austesten
zu lassen, denn die Zuordnung von Unvertäglichkeitsreaktionen auf
die Ursache ist nicht trivial. Ähnliche Symptome kommen bei
Laktose-, Gluten-, Fruktose-, Histamin-Intoleranz
und Reizdarm-Syndrom vor.
In
Afrika, wo der Milchkonsum erst seit der Kolonialisierung bekannt ist,
liegt der Anteil der "Lactoseintoleranzen" bei 98%, in Deutschland
zwischen 10% und 15%. Die Fähigkeit die Lactose der Milch im Darm
abzubauen hat sich in den letzten 10000 Jahren der Menschheit in den
Bevölkerungsteilen die zur Calciumversorgung auf Milch setzten
entwickelt.
Lactoseintoleranz
kann genetisch bedingt sein. Sie
tritt aber auch vorübergehend nach Magen-Darm Infekten,
Infektionen mit
Parasiten in der Folge von anderen Erkrankungen wie Glutenintoleranz, diversen
Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), aber auch Magersucht auf. Dieser
sogenannte sekudäre Laktasemangel bildet sich zurück, wenn
die auslösende Erkrankung abgeheilt ist.
Die
Milchzuckerunverträglichkeit (Lactoseintoleranz) ist nicht mit
einer Allergie auf das Milcheiweiß, eine der häufigsten allergieauslösenden Lebensmittel,
gleichzusetzen. Hier reagiert das Immunsystem auf das Eiweiß in
der Kuhmilch und sämtliche Milchprodukte sind zu vermeiden.
Was ist zu tun?
Abhängig von der verbliebenen Lactaseproduktion besteht die Therapie in einer lactosearmen (8 - 10 g Lactose) bzw. lactosefreien (< 1 g Lactose) Diät. Die verträgliche Lactosemenge muss individuell ausgetestet werden. Es ist darauf zu achten, dass die Diät nur so streng eingehalten werden muss, dass keine Beschwerden auftreten. Manchmal ist es in der Anfangsphase der Behandlung notwendig die Fettzufuhr an eine mögliche Steatorrhö anzupassen. Je nach Fettgehalt des Stuhls sind dann normale Fette bzw. Öle durch MCT-Fette und MCT-Öle (z.B. Produkte der Basis GmbH im Reformhaus erhältlich) zu ersetzen.
Vorsicht ist bei der Verwendung von Fertigprodukten (Wurstwaren, Desserts, Pudding, Backwaren, Schokolade, Ovomaltine, Nesquick, Margarine) geboten. Es sollte gegebenenfalls nachgefragt werden bzw. die Zutatenliste beachtet werden. Gemüse, Obst, Öl, Teigwaren, Reis, Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln (Ausnahme Pürree), Nüsse, Fleisch und Fisch ist natürlicherweise lactosefrei.
Abhängig von der individuellen Restproduktion an dem Enzym Lactase werden die Milchprodukte bei Lactoseintoleranz unterschiedlich gut vertragen. In jedem Fall ist jedoch eine ausreichende Calciumversorgung schon allein wegen der Bedeutung des Calciums für den Knochenstoffwechsel zu gewährleisten.
Anmerkungen
Der Milchzucker im Einsatz gegen Verdauungsprobleme ist selbstverständlich vollkommen ungeeignet. Auch Medikamente oder Zahnpasten enthalten vielfach als Träger Lactose.
Verschiedene Hersteller versenden auch Listen von lactosefreien Erzeugnissen z.B. Kundenservice von Bestfoods, (tel. 0180/2000166), Du darfst (tel. 0130/725235). Bei Seitenbacher findet sich im Internet eine Liste lactosefreier Erzeugnisse. Auch Sojamilch, Sojadesserts und Joghurtalternativen auf Sojabasis sind fast immer lactosefrei. Naturkosthersteller wie bruno fischer stellen ebenfalls lactosefreie Produkte her, es gibt eine nahezu lactosefreie H-Milch (Minus L von Omira).
last update 05/2008
© Bettina
Schwiegelshohn 2001