Die
Interpretation der Parameter des Bluts, die zur Abklärung einer
möglichen Anämie dienen, ist bei den Leistungssportlern
und intensiven Ausdauerathleten auch für den Fachmann nicht einfach.
Der Hämoglobin Wert ist auf
Grund des muskulären Stress nach einem intensiven Trainingsprogramm
erniedrigt. Ähnlich verhält es sich mit dem Serumferritin.
Die Messwerte des Serumeisens und der Eisenbindungskapazität
an Transferrin sind bei allen Frauen, aber insbesondere bei Leistungssportlerinnen
starken Schwankungen unterworfen. Diese Werte variieren allein mit der Tageszeit
um 30%. Vor dem Menstruationszyklus erreichen sie einen Tiefstand. Orale
Kontrazeptiva wiederum erhöhen die Werte.
Abschätzung des Bedarfs an Eisen (Fe):
Es konnte ein mittlerer täglicher Eisenbedarf für alle Körperfunkten
der Frau von circa 1,5 mg und des Mannes von 1,0 mg Eisen abgeschätzt
werden. Der Bedarf bei jungen Frauen ist wegen der monatlichen Blutung höher.
Nun ist festzuhalten, dass die Leistungssportlerinnen wie auch die Leistungssportler
über den Schweiß immer vermehrt Eisen ausscheiden. Hierfür
sind circa 1,5 mg Eisen / Tag zusätzlich zu veranschlagen. Zudem ist
der Umsatz an Hämoglobin, dem eisenhaltigen
Sauerstofftransporter des Blutes höher,
als bei den Freizeitsportlern und Inaktiven. Hier gehen Schätzungen
von 1,0 mg Eisen / Tag aus. Diese
Ursachen können bei männlichen und noch häufiger bei weiblichen
Leistungssportlern einen
Eisenmangel vortäuschen, aber auch bedingen.
Aus den Ausführungen ist abzuleiten, dass bei einer durchschnittlichen
Aufnahmerate des Eisens aus der Nahrung von 10% sich ein Eisenbedarf pro
Tag von 15 mg für Frauen und 10 mg für Männer ergibt. Leistungssportler
haben einen höheren Bedarf, der für Frauen bei 40 mg und für
Männer bei 35 mg liegt. Hierbei muss allerdings festgehalten werden,
dass die Aufnahmerate sowohl von der Nahrungsart und Zusammensetzung, als
auch von den vorhandenen Körperreserven beeinflusst wird. Sie kann
unter 10% liegen, aber auch 30% oder mehr betragen.
Es
ist festzuhalten, dass die Gefahr eine Anämie
auf Grund eines Eisenmangels zu entwickeln insbesondere bei Leistungssportlerinnen
besteht.
Optimierung der Eisenaufnahme durch die Ernährung:
Fettarmes Fleisch und Fisch weisen eine durchschnittliche
Resorptionsquote von 16% bis 20% auf.
Vitamin C (Ascorbinsäure) fördert die Eisenaufnahme
von Non-Häm-Eisen, für das eine Resorptionsquote von 7% bis 9%
veranschlagt wird. Vitamin C bildet mit dem Eisen der pflanzlichen Nahrungsmitteln
gut lösliche Komplexe und reduziert dreiwertiges zum besser resorbierbaren
zweiwertigen Eisen. Vitamin C-reiches Obst (z.B. Erdbeeren, Hagebutten,
Johannisbeeren schwarz, Kiwi, Papaya,
Sanddornbeeren, Zitrusfrüchte) und
Gemüse (Brennessel, Broccoli, Fenchel, Grünkohl, Paprika,
Petersilie, Rosenkohl) leistet einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung
der Eisenbioverfügbarkeit aus Gemüse, Getreide und Hülsenfrüchten.
Auch der Prozess der Sauerteigführung erhöht die Bioverfügbarkeit
von Eisen.
Gehemmt wird die Eisenresorption durch die gleichzeitige
Aufnahme von hohen Calciummengen. Werden Milch und Käse, die Lebensmittel
mit dem höchsten Calciumgehalt zusammen mit Fleisch verzehrt, so verringert
sich die Eisenaufnahme um 50% bis 60%.
Auch die Tannine des schwarzen Tees, Oxalate in hohen Konzentrationen
(z.B. Teeblätter schwarz, Kakaopulver, Instant Kaffeepulver,
Pfefferminzblätter, Rhabarber, Spinat, Mangold, Rote Beete)
und die Phytate der Kleie von Getreide, deren Wirkung wie oben bereits
erwähnt, durch die Sauerteigführung verringert werden kann, vermindern
die Eisenbioverfügbarkeit.
Interessanterweise weisen auch Vegetarier die auf das besser
verfügbare Häm-Eisen von Fleisch verzichten eine zufriedenstellende
Eisenversorgung auf.
Nahrungsergänzung:
Um einer Anämie des Sportlers vorzubeugen reichen Eisen- und Zinkmengen
von maximal 35 mg bis 50 mg pro Tag, wie die oben dargelegte Bedarfsanalyse
für Eisen verdeutlicht. Es ist durchaus sinnvoll die Mineralstoffe zusammen
mit den Vitaminen B2 (täglicher Bedarf: Frauen 1,5 mg, Männer
1,7 mg), B6 (täglicher Bedarf: Frauen 1,6
mg, Männer 1,8 mg), B12 (täglicher
Bedarf: Erwachsene 0,003 mg), Folsäure
(täglicher Bedarf: Erwachsene
0,3 mg Gesamtfolat) und Vitamin
C (täglicher Bedarf: Erwachsene
0,075 g) zu substituieren. Diese wasserlöslichen
Vitamine sind an der Blutbildung beteiligt. Da sie
keine ungünstigen Auswirkungen haben, kann der tägliche Bedarf
z.B. um das 10-fache überschritten werden. Selbst bei Überdosierungen
der genannten Vitamine besteht keine Gefahr. Sie kostet lediglich Geld.
Durch die Messung der Blutwerte, die bei Unklarheiten wiederholt
werden sollte, ist eine chronisch entzündliche Krankheit von einem
Mangel an Eisen durch
den Arzt abzugrenzen, denn beide Entgleisungen werden durch die einleitend
angesprochenen Blutwerte näher bestimmt. Dies ist wichtig, denn durch
eine massive Eisensubstitution, für die es keine Notwendigkeit gibt,
werden die Eisenspeicher des Körpers übermäßig gefüllt.
Durch eine Eisenüberladung werden aber andererseits entzündliche
Prozesse begünstigt. Eine
leichtfertige Therapie mit Eisen dient daher weder der Gesundheit noch der
Leistungsfähigkeit.
Sollte eine Substitution mit dem Ziel die Hämoglobinkonzentration
im Blut zu erhöhen, erwogen werden, ist wie bei den vorbeugenden Maßnahmen
daran zu denken, dass Eisen und Zink um ihre Aufnahme in den Körper
konkurrieren. Außerdem sind die Vitamine B2, B6 und B12 sowie die Folsäure
an der Blutbildung beteiligt und sollten, wie auch das Vitamin C, bei einer
Substitution nicht vergessen werden.
last update 10/2003
© Bettina
Schwiegelshohn 2001